rubens

Ein Zeitalter ist beendet!

Nach 20 Jahren ist meine geliebte Rubens verkauft. Der Schritt ist mir wirklich nicht leicht gefallen und wenn ich einen vernünftigen Platz gehabt hätte, wäre es nicht so weit gekommen.

Natürlich habe ich sie nicht einfach "nur verkauft": Im Gegenzug habe ich mir eine Suzuki GSF "Bandit" 650SA gekauft.

Unser Händler gegenüber hatte zugegebenermaßen Probleme, so ein altes Schätzchen in Zahlung zu nehmen; konkret gesprochen sah er eigentlich keine Möglichkeit, die wieder weiter zu verkaufen.
Im Verlauf des Gespräches hat er mich einfach gebeten, Rubens mal zu holen um sie einmal zu sehen.
Für ihn muß das ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein:
"Nee, das glaub ich ja nicht; klasse; [zu seinem Kollegen] komm mal her, das musst du sehen"
Kurzum, es hat Rubens genommen, meinte aber, dass er sie vielleicht sogar behält. mit ein wenig Glück kann ich Rubens zwischendurch besuchen.

Der jetzt folgende ursprüngliche Text dieser Seite bleibt natürlich erhalten:

*schnipp*

Rubens ist eine alte Vespa Traveller PX200; Baujahr 1986.

Konsequenterweise hat Rubens weder Automatik noch E-Starter.

0 auf 100 KmH: möglich
Bremsweg: vorhanden
Reifengröße: Bis zum Boden

Warum Rubens?

RUBENS, Peter Paul, * 28.6.1577 in Siegen (Westfalen), + 30.5. 1640 in Antwerpen. Berühmtester Maler des Barock

Der Künstler zeichnete sich durch seine Begeisterung für das Malen molliger Formen aus und wer hat je einen molligeren schickeren Hintern als den einer alten Vespa gesehen?
Abgesehen davon lässt sich der Name "Gelber Blitz" mit 10 PS auf 196ccm nicht ganz rechtfertigen!

Die Geschichte:

Ich habe den Auto- und Motorradführerschein damals zusammen gemacht und während meiner ersten Motorradstunde wurde mir klar, dass ich auf jeden Fall ein Motorrad haben möchte. Als Kompromiss auch im Hinblick auf die laufenden Kosten habe ich mich dann Richtung "Vespa" orientiert. Für eine "80er" hätte ich den Schein nicht machen müssen und "Klasse 1b" war damals viel zu teuer. Ich habe mich dann entschieden direkt eine 200er zu nehmen.
Die nächste Frage, ob "Neu" oder "gebraucht" war schnell entschieden, da es auf dem Gebrauchtmarkt kaum anständige 200er gab.
Die Farbe: Klassische Farben waren weiss, rot, blau und schwarz. Ich habe zunächste eine weisse mit vielen Extrateilen zusammengesucht und bin zum Vespahändler gefahren, um den Bock zu bestellen. Er legt mir den druckfrischen neuen Katalog hin und als ich den durchblätterte, sah ich das einmalige 86er Sondermodell mit Gepäckträgern vorne/hinten und Gestänge an den Seiten in Sahara gelb/orange!

Zunächst war meine Beziehung zu Rubens auf eine harte Probe gestellt, da ich unter einigen Kinderkrankheiten zu leiden hatte:
Sporadisches und unmotiviertes "Motor aus", laut klappernder Gepäckträger, Winterdepression und Wetterfühligkeit.
Im Laufe der Zeit habe ich einige Probleme nach und nach beseitigen können und mit Anderen habe ich mich arrangiert und sie lieben gelernt.

Ein Kommentar von Rubens; geschrieben im Februar 2005:

Hallo zusammen,

ich bin Rubens und ich bin etwas verärgert, daß ich für diese Fotos aus dem Winterschlaf geholt wurde!

Vielleicht hat mein Fahrer mich "Rubens" genannt, weil ich eine fast 19 Jahre alte PX200 bin und eine "Rubensform" habe.
Ich habe inzwischen über 42.000 Kilometer hinter mich gebracht, was mit meinen kräftigen 10 PS manchmal eine echte Qual war (besonders bei Gegenwind und Berg-Auf).
Das erste Mal habe ich meinen Besitzer so richtig geärgert, als er "nur für 10 Minuten" zum Rheydter Hauptbahnhof gefahren ist um eine Fahrkarte zu besorgen und ich die paar Minuten genutzt habe, um den Benzinschlauch vom Vergaser abflutschen zulassen. War aber auch blöd, dass er damals noch kein Werkzeug dabei hatte! Er musste mich ca. einen Kilometer bis zu einer Karosseriewerkstatt schieben und dort um eine Zange und eine halbe Rolle Papier zum Aufsaugen bitten.
Natürlich wäre ich keine Italienerin, wenn ich meine Krallen nur einmal gezeigt hätte!!!
Wie fühlt sich ein Vespafahrer, wenn er an der roten Ampel steht, die schwarze Gewitterwolke näher kommt und ich einfach ausgehe; einfach so "prött-prött-prött-......" ? Er schraubt in Eile das Gestänge ab, Sitzbank hoch, Seitenhaube ab, Kerze geschrubbt, alles zusammen bauen, ... zu spät: Der Regen war schneller. Zur Strafe hat er mich zwei Monate in der Garage stehen lassen.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als mein Besitzer und seine Frau zusammen auf mir von Mönchengladbach-Rheydt nach Aachen gefahren sind. Wenn ihr erwartet, dass es eine Abenteuer war: Falsch! Ich war anständig und bin mit mörderischen 95 KmH über die Autobahn gedonnert.
Das dicke Ende habe ich den beiden am nächsten Morgen präsentiert, was sich eher gelohnt hat: Es hat geregnet. Die beiden mussten dreimal auf der Autobahn anhalten, im strömenden Regen die Kerze schrubben, um dann doch nur mit 60 KmH nach Hause zu kommen.

Inzwischen bin ich meine Kinderkrankheiten los und fahre die Sommersaison sehr anständig und zuverlässig, um nicht das Risiko einzugehen, daß ich plötzlich verkauft werde. Im tollen Sommers '03 waren das immerhin 5000 Km.

 

Ich verabschiede mich jetzt von Euch und verschwinde wieder in die Garage.

Eure Rubens

*schnapp*